Die ‚Lange Nacht der Schreib- & Projektarbeiten‘ am 14.11.2014: Danke für die schönen Stunden, und bis zum nächsten Mal!

Nun hat mich nach der ‚Langen Nacht‘ der Alltag so schnell wieder in Beschlag genommen… Deshalb etwas spät, aber mit Liebe: ein Eindruck unserer nächtlichen Schreibzusammenkunft – mit einem Überblick über unsere Besucher, die Workshops und unser interessantes Material!

Die ersten kamen schon deutlich vor 20:00 an, weil sich die Platzzahlbegrenzung herumgesprochen hatte. Das gemütliche Foyer und die Bar, auf der wir kaum all unser Catering – Kekse, Obst, Gemüsesticks und Dip, Kaffee, Säfte, Wasser, Tee, Club Mate, … – hatten unterbringen können, sorgten für einen gelungenen Empfang.

Bald waren schon überall Plätze belegt, und um 22:00 gab Sarah Hostmann mit „Was & Wozu? Eine wissenschaftliche Arbeit planen“ auch schon den ersten Workshop. (Üblicherweise hält sie diese Workshops an der FU Berlin.)

Zum Nachschlagen hatten wir auch viel hilfreiches Material dabei, zum Beispiel:
Wissenschaftliches Schreiben_Eine Arbeit planen
Richtig Zitieren
Formulierungshilfen für wissenschaftliche Texte finden sich zuhauf im Internet – das Schreibzentrum der TU Darmstadt zum Beispiel hält ein tolles Dokument zum freien Download bereit.
Auch ein Ansichtsexemplar eines berühmten Ratgebers hatten wir dabei:
Helga Knigge-Illner: Der Weg zum Doktortitel. Strategien für die erfolgreiche Promotion. Frankfurt am Main: Campus Verlag, 2002. (Mit sehr vielen kreativen Tipps zur Überwindung von Schreibblockaden, Ängsten usw.!)

Zwischendurch trafen sich die Besucher/innen an der Bar – die sich bald als wahrer Magnet für alle Austauschwilligen herausstellte – oder suchten sich einen Extraraum, wie die kreativen Textproduzenten, darunter viele NaNoWriMo-Teilnehmer:

die Kreativen 2

An einem der Tische im Foyer hatte es sich auch Kirsten Jenne gemütlich gemacht, unsere Schreibberaterin mit Doppelqualifikation im wissenschaftlichen und kreativen Schreiben. Zur Zeit studiert sie außerdem Biografisches und Kreatives Schreiben (MA) an der Alice Salomon Hochschule. Sehr bald war sie im Besitz einer langen Liste mit den Namen beratungswilliger Besucher. (Linda Ridderbusch war leider krank geworden, sonst hätte sie uns auch mit Schreibberatung zur Seite gestanden – hoffentlich beim nächsten Mal!)
Außerdem hatten wir zahlreiche Bücher, Kopien, (Schreib)Spiele und Kreativitätsübungen mitgebracht, in denen viele interessiert stöberten.

 

Hervorragende ‚Writing Prompts‘ – unterhaltsame kleine Schreibübungen wie diese, die man bei uns wie ein Los aus einer Box ziehen konnte: Writing Prompts – gibt es übrigens als kostenfreies WordPress-Ebook.

Außerdem in unserem Koffer: Ein echter Klassiker unter den Schreibratgebern!
Sol Stein: Über das Schreiben. Frankfurt am Main: ZWEITAUSENDEINS, 2011. (Taschenbuchausgabe) Hier findet ihr ein Exzerpt des umfangreichen Buches.

Wer gut Englisch versteht und einen Roman plant, sollte unbedingt beim National Novel Writing Month (NaNoWriMo) vorbeischauen – die ‚Prep Resources‘ sind fantastisch. Hier die besten Tipps daraus zum Herunterladen: NaNoWriMo Prep Resources

Um Mitternacht begann der nächste Workshop: „Geisterstunde, Geisterrunde – ich und meine Gespenster. Schreibwerkstatt für alle, die das Fürchten verlernen wollen“ bei Mia Frimmer, preisgekrönte Hörspielautorin und –produzentin. Der Workshop wurde um eine volle Stunde überzogen, und angesichts der enthusiastischen Gesichter, die wir danach zu sehen bekamen, stellten sich keine Fragen mehr nach den Gründen. Offenbar hatte der kreative Impuls fantastisch gewirkt!


Die im Workshop entstandenen Texte von Janne Stolz dürfen wir hier sogar veröffentlichen – und einen ihrer älteren, der thematisch unheimlich (pun intended) gut zur Geisterthematik passte. Alle Rechte liegen selbstverständlich weiterhin bei der Autorin. Wer mehr von ihr lesen möchte, findet sie bei der Schreibwerkstatt.

Texte Workshop Janne StolzUngebetener Gast – Janne Stolz

Da der Fokus ab diesem Zeitpunkt eindeutig auf der eigenen Textproduktion lag, für die ab 02:00 viele Besucher noch mal die letzten Reserven aktivierten, fiel der Workshop „Richtig zitieren und Tipps zur Literaturverwaltung“ aus. Sarah und ich kümmerten uns stattdessen in Einzelberatungen um diejenigen, die noch Fragen oder Schwierigkeiten hatten. Dank der begrenzten Teilnehmerzahl war eine gute „Einzelbetreuung“ sehr gut möglich.

Schreibberatung im Foyer

Eigentlich stand ja für 04:30 das Abkühlen auf dem Programm, aber weil um diese Zeit noch einige Hartnäckige fleißig tippten, riefen wir erst um kurz vor Fünf alle zum Abschiednehmen zusammen. Die Abschlussrunde verdeutlichte noch einmal, welch unterschiedliche Menschen und Schreibprojekte in dieser Nacht zusammengekommen und wie groß die Fortschritte gewesen waren. Sehr viel wacher und fröhlicher als gedacht packten wir schließlich unsere Sachen zusammen und fuhren nach Hause.
Mein Fazit: Die ‚Lange Nacht‘ war wirklich rund geworden, die langen Abende am Computer und die andere Organisationsarbeit waren vergessen und das einzige, was ich bereute, war, dass ich nicht selbst als gewöhnliche Teilnehmerin einfach schreiben, schreiben, schreiben und workshoppen gedurft hatte…! 🙂

Natürlich gab es auch einige kritische Stimmen, zum Beispiel was die Lage des Veranstaltungsortes anging. Es stimmt, das Mehrgenerationenhaus Phoenix  im südlichen Zehlendorf liegt relativ weit draußen – dafür waren die Räumlichkeiten ideal, weil großzügig und gemütlich, und nur dort konnten wir Sonderkonditionen in Anspruch nehmen, so dass der Unkostenbeitrag pro Person niedrig blieb (vergleichbare Räume in Zentralberlin würden keinesfalls unter 1.500€ Miete kosten). Wir freuen uns übrigens sehr über Empfehlungen vergleichbarer Räumlichkeiten im Zentrum für unter 250€!

Uns als Organisatorinnen, Workshopleiterinnen und Beraterinnen hat die ‚Lange Nacht der Schreib- & Projektarbeiten‘ sehr viel Freude gemacht, und das tolle Feedback hat uns sehr ermutigt. Beim nächsten Mal – über das wir gerade brainstormen – sind natürlich alle Schreibenden und Projektarbeitenden wieder herzlich willkommen. Wir halten euch auf dem Laufenden!

Inspiration, Herzklopfen, Fortschritt, Erfolg. Bei uns, am 14.11., für 15€!

In den vergangenen Jahren habe ich in Instituten, für Bildungsträger und auf Konferenzen viele Seminare, Workshops, Vorträge und Präsentationen gehalten, habe mit Menschen zwischen 14 und 64 gearbeitet, diskutiert und gelernt, habe gefühlte zweitausend neue Methoden, Übungen, Spiele und Arrangements ausprobiert (und nicht selten selbst erfunden und gestaltet) und dabei festgestellt, dass…

… mein Herz für eher ungewöhnliche Arbeitsformate schlägt.

Also nicht unbedingt für den traditionellen Seminartag im traditionellen Seminarraum.

Sondern für das freiwillige, begeisterungsgetriebene Zusammentreffen, die selbstbestimmte Balance zwischen individuellen Arbeitsphasen und Austausch, die gemeinsame Konzentration, das flexibel nutzbare Arrangement, die diskussionsfreudige Pause im Seminarhaus-Garten, den gleichzeitigen Griff in die Keksdose, bei dem man einen interessanten Gesprächspartner kennenlernt. Für den magischen Sog, der entsteht, wenn motivierte, intelligente Menschen ihre Projekte in einen gemeinsamen Raum bringen – nicht unbedingt um sie zu verbinden, sondern um individuell zu arbeiten, sich gegenseitig zu unterstützen, zu ermutigen und zu inspirieren.

Und deshalb habe ich kurzerhand einen Rahmen dafür geschaffen: Die

‚Lange Nacht der Schreib- & Projektarbeiten’

am Freitag, den 14. November 2014
Zeit: 20-05 Uhr (!)
Ort: Mehrgenerationenhaus Phoenix des Mittelhof e.V.
Teltower Damm 228, 14167 Berlin

… und alle, die ein (Schreib-)Projekt voranbringen und sich eine Nacht lang in schöner, entspannter Atmosphäre konzentrieren möchten, sind herzlich eingeladen!

Natürlich bekommt jeder einen eigenen Arbeitsplatz (mit Stromversorgung), und die Teilnahme an den Workshops und Beratungsangeboten ist optional – wer möchte, kann auch einfach nur in Ruhe schreiben. Auch kommen und gehen kann jeder, wann er möchte.

Hier gibt es weitere Infos und das Programm zum Download: Einladung und Programm, eine Seite

Weil es sich um ein nicht-kommerzielles Event handelt, beträgt die Kostenbeteiligung – für Räume, Kekse, Kaffee, Infomaterial etc. – nur 15€. Die Anmeldung ist ab sofort möglich unter langenacht-inberlin(at)web.de.

Mehr Informationen gibt es auch auf unserer Facebook-Seite: Die Lange Nacht der Schreib- & Projektarbeiten auf Facebook

Ich verspreche tolle Workshops (bei meinen ideenreichen, supernetten Kolleginnen), kreative Impulse, kluge, interessierte Mit-Schreibende und die Rückkehr des Herzklopfens, mit dem ihr euer Projekt begonnen habt. Wir freuen uns auf euch!

Einladung und Programm, eine Seite

10 Tipps fürs Beraten im Alltag: Gesprächsstrategien, mit denen Sie in Erinnerung bleiben werden

Eine nicht ganz ernstgemeinte Anleitung

Wir kennen es alle: Ein Arbeitskollege, der Bruder, die beste Freundin hat Sorgen oder steckt in einer unangenehmen Situation. Viele wollen sich nicht allein damit plagen und wenden sich vertrauensvoll an einen ihnen nahestehenden Menschen. Sicherlich waren auch Sie schon einmal ein solcher Mensch. Doch oft gelingt das Gespräch nicht gut – Ihr Gegenüber beklagt sich unentwegt, wiederholt sich ständig, jammert und nervt. Einsicht, Optimismus, gute Handlungsstrategie? Fehlanzeige! Umso wichtiger ist es, dass Sie Ihre Beratungsaufgabe effizient und orientiert an modernen psychologischen Standards erfüllen. Die wichtigsten dieser Standards sind in praktisch verkürzter Form dank der fleißigen Ratgeber- und Lebenshilfebranche inzwischen ziemlich bekannt – und machen Scheu und Skrupel unnötig. Sie wissen ja: Probleme sind da, um gelöst zu werden! (Von Ihnen, deshalb hat Ihr Gegenüber das Thema ja angeschnitten.) Dafür beschreibe ich im folgenden zehn Verhaltensweisen, die ich jahrelang im echten Leben beobachtet und als enorm schlagkräftig erlebt habe.

1.  Machen Sie sich in unter 90 Sekunden ein Bild von der Situation, dem Problem, den Gefühlen und Gedanken Ihres Gegenübers. Eventuelle Lücken füllen Sie mit Ihrer Erfahrung oder Fantasie aus. Er (bzw. sie) wird Ihnen dafür dankbar sein, denn auch bei Problembesprechungen gilt: Zeit ist Geld!

2.  Aus demselben Grund: Unterbrechen Sie Ihr Gegenüber bei Abschweifungen und unnötigen Zusatzinformationen. Schließlich können Sie als Außenstehender sowieso viel schneller erkennen, worum es wirklich geht.

3.  Klären Sie auch Ihr Gegenüber darüber auf, worum es wirklich geht. Ihm (bzw. ihr) muss bewusst werden, dass er (oder sie) das Problem bisher völlig falsch eingeschätzt hat. Erklären Sie unmissverständlich, wie der Sachverhalt in Wahrheit zu bewerten ist.

4.  Nur wer seinen Anteil an einem Problem erkennt, kann es erfolgreich lösen! Sagen Sie deshalb klar Ihre Meinung – vor allem, wenn es eine negative ist („Tja, das war ja wohl eindeutig DEIN Fehler…!“).

5.  Nicht vergessen: Authentizität ist eine der wichtigsten Beratereigenschaften. Drücken Sie deshalb nicht nur mit Worten, sondern unbedingt auch mimisch aus, was Sie gerade denken (skeptisches Kopfschütteln, Augenrollen).

6.  Reden Sie viel. Sie sind schließlich der/die Beratende! Zum Beispiel können Sie eigene Erfahrungen oder Problemlösungen, die Sie selbst in der Vergangenheit erfolgreich angewendet haben, erzählen.

7.  Seien Sie großzügig mit Tipps und Verhaltensanweisungen. Kleiden Sie diese möglichst in Formulierungen wie „Du musst“, „Da gibt es nur eine Möglichkeit“, „Fang sofort an zu…“, damit die Botschaft verstanden wird.

8.  Pädagog/inn/en wissen: Schon ganz kleine Kinder lernen durch Imitation. Berichten Sie deshalb in der gebotenen Ausführlichkeit von den Problemen anderer Bekannter (einschließlich heikler, intimer Details) und wie diese sie gelöst haben. Daran kann Ihr Gegenüber sich dann orientieren. Übrigens kann auch die Schilderung abschreckender Beispiele, gravierenden Fehlverhaltens und allgemeinen Scheiterns gemeinsamer Freunde eine wirkungsvolle Lektion sein.

9.  Fragen Sie auch nach anderen Themen oder Begebenheiten, die relevant sein könnten oder die Sie interessieren. Halten Sie sich dabei nicht lange mit Begründungen für Ihre Fragen auf. Als der/die Beratende halten Sie völlig zu Recht die Gesprächsfäden in der Hand!

10.  … und zum Schluss das Wichtigste: Wieso überhaupt darauf warten, nach einer Meinung oder einem Rat gefragt zu werden? Legen Sie beim nächsten Mal los, sobald Sie einen möglichen Bedarf wittern! Manche Menschen sind nämlich einfach zu schüchtern, ihre Probleme Ihnen gegenüber ganz direkt anzusprechen. Helfen Sie Ihren Mitmenschen – tun SIE es! („Hör mal, ich sehe doch, dass du mindestens 20 Kilo zugenommen hast und dir das wahnsinnig peinlich ist… “)

Beherzigen Sie diese Strategien, wird die kleine „Beratung“ garantiert rasch lebhaft werden und vermutlich nicht lange dauern. Viel Erfolg, und: bitte, gern geschehen!