Vietnamesischer Kaffee, oder ‚Discover. Explore. Expand. Say yes‘

Schon seit Jahren esse ich gern in den vietnamesischen Garküchen Berlins. Es stimmt schon, die – auch in asiatischen Ländern leider weit verbreitete – aggressive Beleuchtung und die bescheidene Möblierung lassen meist keine gemütliche Stimmung aufkommen. Das machen die hübsch dekorierten, fantastisch abgeschmeckten, binnen 90 Sekunden servierten Tellergerichte (danke, Currykanone!) aber wieder wett.

Trung Nguyen, und dann nie wieder etwas anderes

Letztens fragte ich mich, wie es dazu kommen konnte, dass ich schon so lange regelmäßig diese Garküchen besuche, ohne jemals den vietnamesischen Kaffee probiert zu haben, der auf allen Speisekarten für 2 oder 3 Euro zu finden ist.
Dann musste ich aber doch nach Vietnam reisen, um diese vollendet schokoladige Spezialität kennenzulernen, samt dem wunderhübschen kleinen Aufguss-Equipment für die einzelne Tasse. Will heißen, die vietnamesische Kaffee-Zeremonie ist nicht nur eine Freude für den Gaumen, sondern auch für die Augen.

Wieder zurück in Berlin habe ich mich umgesehen und in dem riesigen asiatischen Supermarkt in meiner Straße – der so konsequent asiatisch ist, dass sich die Deutschkenntnisse der Verkäuferinnen auf die Zahlen beschränken, um den Kunden an der Kasse die geschuldete Summe mitzuteilen – tatsächlich „Trung Ngyuen No. 1“ gefunden, von dem ich nun regelmäßig ein Tütchen kaufe. Und verschenke. Weil vietnamesischer Kaffee dank seiner magischen Röstung eine echte aromatische Offenbarung ist, der unscheinbar aussehende Schrank mit dem geheimen Tor ins flirrende Narnia der Koffeinliebhaber.

Öfter mal „Ja, warum nicht!“ sagen!

Bleibt also die Frage, warum ich es nicht schon vor Jahren auf einen Schluck habe ankommen lassen. Was hätte es mich gekostet? 2,80€ und die Bereitschaft, ein kleines Risiko einzugehen. Was wäre schlimmstenfalls passiert? Dass ich ihn nicht gemocht und stehen gelassen hätte. Eine Investition von 2,80€ und zwei Minuten! Jetzt erinnert mich meine morgendliche Tasse Kaffee daran, dass es sich lohnt, merkwürdig klingenden Posten – nicht nur – auf Speisekarten eine Chance zu geben, mit anderen Worten, dass einer der direktesten Wege zu mehr Lebensqualität über Neugier, Unbefangenheit, den Mut zum (überschaubaren) Risiko und die Bereitschaft für Neues führt. Und dass die Möglichkeit, etwas Neues auszuprobieren – und eine unerwartete, aber höchst willkommene Bereicherung zu entdecken – immer schon an der nächsten Ecke auf uns wartet.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s