Reisenotizen 2: Chiang Mai und der Mekong in Laos

Chiang Mai, eins der beliebtesten Reiseziele im Norden Thailands, erweist sich als recht harmloses, beschauliches Städtchen. Berühmt ist es unter anderem für sein großes Angebot an Kochkursen und Elefanten.

Natürlich besuche auch ich beides. Der Kochkurs – eine Empfehlung von Ellen aus Nottingham, die ich auf Koh Phayam kennengelernt habe – ist ein echter Glücksgriff. Ich darf ein Sechs-Gänge-Menue allein (!) kochen und essen (!!) und danach eine Stunde lang in der Hängematte liegen.

Chiang Mai, cooking course - demo         Chiang Mai, cooking course Chiang Mai, cooking course - kitchen

All das findet in einem riesigen, wunderschönen, leicht verwilderten Garten inmitten von Reisfeldern statt, rund eine Dreiviertelstunde außerhalb von Chiang Mai. Klare Empfehlung!

Chiang Mai, cooking course (2)           Chiang Mai, cooking course - my dishes

Ebenfalls etwas außerhalb der Stadt liegt das Thai Elephant Conservation Center. Weil ich sichergehen will, dass ich mit meinem Besuch ein seriöses Elefantencamp mit artgerechter Tierhaltung und ohne allzu heftigen Profitdruck unterstütze, habe ich das einzige Camp in öffentlicher Hand ausgesucht. Auch dort kann man auf einem Elefanten reiten, und die Elefanten zeigen in Shows, wie sie Holzstämme rollen und stapeln, Gegenstände aufheben, malen (!) etc..

Chiang Mai, elephant camp (4)   Chiang Mai, elephant camp (7)   Chiang Mai, elephant camp (4)

Chiang Mai, elephant camp (3)    Chiang Mai, elephant camp (9)

Dabei handelt es sich um einen traditionellen Teil südostasiatischer Land(bzw. Wald)wirtschaft, der in solchen Camps gepflegt wird, seitdem das wilde Holzfällen 1989 in Thailand verboten wurde, um unkontrollierte Abholzung und damit Erosion zu vermeiden. Nun verdienen die Elefanten und ihre ‚Mahouts‘ ihren Lebensunterhalt eben im Tourismus (statt in der Realität, hätte ich fast hinzugefügt). Im Thai Elephant Conservation Center werden die Tiere gut versorgt – es gibt sogar ein kleines Elefantenkrankenhaus, ein mobiles Veterinär-Einsatzteam und eine Mutter-Kind-Station – und dürfen nachmittags zurück in den Wald, um dort zu übernachten.

Um schließlich nach Laos zu gelangen, habe ich ein 3-Tages-Grenzüberschreitungspaket von Chiang Mai nach Luang Prabang gebucht. Und das sieht so aus: Ein Minibus bringt die Reisenden via Chiang Rai nach Chiang Khong, einer Grenzstadt im äußersten Norden des Landes. Dort übernachten sie in einem Hotel, um am nächsten Morgen in aller Hergottsfrühe  Thailand zu verlassen (ein bürokratischer Akt), ein ‚Visa-on-arrival‘ für Laos zu  erwerben (ein noch bürokratischerer Akt) und dann das Boot nach Luang Prabang zu besteigen.

Diese Nacht hat es allerdings in sich: Das Hotel ist relativ abgelegen, nur das Wort „abgewrackt“ beschreibt die Zimmer angemessen, die Bettwäsche ist voller Flecken und seit Monaten nicht gewaschen worden (ein häufiges Phänomen in den billigen Absteigen Südostasiens). Mein persönlicher Bonus ist ein wichtiges Stück thailändischer Interaktionskultur, das ich am eigenen Leib erlebe: Am nächsten Morgen um kurz nach fünf stellt sich heraus, dass der Durchlauferhitzer in meinem Bad nicht funktioniert. Das Wasser ist und bleibt eiskalt. Draußen ist es noch stockdunkel. Ich gehe hinüber zur „Rezeption“ – nicht viel mehr als ein Tisch auf dem Hof – und spreche eine junge Hotelangestellte an. Sie versteht kaum Englisch, ist ob meines Ärgers aber peinlich berührt und ruft nach einem Kollegen. Dieser lässt sich rund eine Viertelstunde lang Zeit, bevor er kurz auftaucht und wieder verschwindet. Die junge Frau bittet mich erneut um Geduld. Ein anderer Hotelangestellter kommt vorbei, den ich nach einem anderen Zimmer zum Duschen frage. Als er das Problem versteht, ist er peinlich berührt, wiegt selbstkritisch den Kopf und schlendert davon. Die junge Frau, peinlich berührt (ja, man kann es nicht oft genug betonen!), bittet mich wieder um Geduld. Ein völlig verschlafener Mitreisender, den ich in einigen Metern Entfernung entdecke, sagt, dass es auch in seinem Zimmer kein heißes Wasser gibt. Es dauert eine halbe Stunde, bis mir klar wird, dass das Problem in jedem Zimmer besteht und den Hotelangestellten bekannt ist – und dass sie, obwohl wie gesagt peinlich berührt, daran nichts ändern können und wollen. Eine Erklärung oder Entschuldigung, also eine offene Anerkennung der Problematik, waere jedoch gesichtsbedrohend und unterbleibt. Professioneller Kundenkontakt auf Thailändisch!

Meine Entschädigung sind zwei atemberaubende Tage auf dem Mekong. Die Strecke ist überwältigend schön – die leicht nebligen Hügel, Urwald, Urwald, Urwald, Urwald, und es hört nicht auf. Am Flussufer grasen Büffel, Kinder winken dem Boot begeistert zu. Auf winzigen Stränden erkennt man winzige Gärten mit winzigen Pflanzen in ordentlichen Reihen. Und wieder: dieser Duft! Der Geruch von fließendem Wasser, und dahinter ganz schwach das grüne, süße Aroma des Dschungels.

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